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 Glühen beim Glühen  
02.07.2010 - 14:14 Uhr
Die Top-Leistung bei der Vollgasjagd zu bringen wird nirgendwo so schwierig wie auf dem Norisring. Runde für Runde hetzen die Akteure des Porsche Carrera Cup im 50-Sekunden-Takt durch den Mauern- und Leitplankenkanal im fränkischen Monte Carlo. Psychische und physische Höchstleistungen müssen bei Temperaturen von fast 40° C erbracht werden. Die zwischen den Steintribünen „stehende“ Luft wird zum größten Problem.
Eine leichte Brise - Plesse mit Ventilator

„So schlimm ist es auch wieder nicht“, nimmt Porsche-Talent Harald Schlegelmilch allerdings gleich all denjenigen den Wind aus den Segeln, die von Saunatemperaturen sprechen. „Denn genau damit habe ich mich vorbereitet“, macht der Lette deutlich, wie er das traditionelle Norisring-Wetter in den Griff kriegen will - mit Training im finnischen Schwitzkasten. Auch Seyffarth-Pilot David Sigacev wiegelt zumindest an einer Stelle ab: „Im Training bei nur fünf oder sechs Runden pro Stint ist die Hitze nicht so schlimm, aber fürs Rennen über 35 Runden mache ich mir schon ein paar Gedanken.“ Die Vorbereitung des Deutsch-Russen auf die Hitzeschlacht besteht vor allem aus viel trinken. „Damit beginne ich bereits beim Aufstehen und alleine in den zwei Stunden zwischen den beiden Trainings habe ich vier Liter Wasser abgepumpt.“ Das kühlende Nass wird auch an anderer Stelle zum Allheilmittel: Teamchef Arkin Aka greift dabei sogar zur eher bodenständigen Methode und kippt seinem Fahrer Nicolas Armindo beim Boxenstopp gleich mal rigoros eine ganze Flasche in den Overall.

Das Fahren bei den hohen Temperaturen betrachten die meisten Fahrer dagegen als eher unproblematisch. „Schlimm wird’s dann, wenn die Piloten in der Box stehen und am Auto gearbeitet wird“, analysiert Jan Seyffarth am racecam.de-Mikrofon. „Der Fahrtwind fehlt und es kommt kein frischer Sauerstoff mehr ins Cockpit. „Da fühlt man sich im eigenen Saft geschmort.“ Eine Tatsache, der sein Fahrer Sigacev nur zustimmen kann. „Da kannst du mit der Tür wedeln so viel du willst; es kommt nur heiße Luft.“ Dieses Problem bekämpfen fast alle Teams mit mobilen, batteriebetriebenen Ventilatoren, die beim Boxenstopp sofort auf die Fahrer gerichtet werden. Auch die Boxenmannschaften verzehren sich nach dem kühlenden Lufthauch. Mit weiteren Ventilatoren an den Kommandoständen versuchen die Teamchefs der, zwischen den historischen Steintribünen „stehenden“ Luft Herr zu werden.

„Wobei die Fahrer mal nicht zu laut jammern sollen“, macht ein Mechaniker die Belastung der Schrauber deutlich. „Unsere Jungs sitzen nach ihren Stints im klimatisierten Team-Truck, während bei uns die Schraubenschlüssel glühen.“ Zwischen den beiden freien Trainingsitzungen war für zwei Stunden Vollgasschrauben der Mechaniker angesagt. „Der Zeitplan hier auf dem Norisring ist sehr eng“, meint Attempto-Cheftechniker Erwin Kickmeier, bevor er wieder einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche nimmt. Fast hektoliterweise schleppen die Teams das kühlende Nass aus der Porsche-Hospitality Richtung Fahrerlager. „Bei dem Wetter sollten alle, egal ob Fahrer, Mechaniker oder Zuschauer viel trinken; mindestens vier bis fünf Liter pro Tag machen Sinn“, verweisen die Rennärzte auf den erhöhten Flüssigkeitsbedarf bei Temperaturen von beinahe 40° C.

Am Sonntag um 10.25 Uhr wird der ultimative Prüfstein für alle Akteure kommen. 35 Runden Hitzeschlacht zwischen den mächtigen Steinmonumenten stehen an. Der Wetterbericht verspricht für den Sonntagvormittag gnädige 30 Grad. - bbe



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